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Das „Wunder der friedlichen und unblutigen Wiedervereinigung Deutschlands“
9.10.2026

Von Iris Kannenberg
LÜDENSCHEID + Jedes Jahr am 3. Oktober lädt die Evangelische Allianz Lüdenscheid Bürgerinnen und Bürger zu einer besonderen Dankesfeier auf den Rathausplatz ein. Die Veranstaltung verbindet die Erinnerung an die deutsche Wiedervereinigung mit Dankbarkeit, Gebet und dem Wunsch nach Frieden. In einer Zeit, in der Europa und die Welt von Konflikten geprägt sind, möchten die Veranstalter das „Wunder der friedlichen und unblutigen Wiedervereinigung Deutschlands“ bewusst in Erinnerung rufen.
Die Verantwortlichen der Allianz betonen dabei immer wieder, dass die deutsche Einheit kein selbstverständliches historisches Ereignis war. Sondern ein großes, außergewöhnliches Werk Gottes. Aus christlicher Sicht wird die Erinnerung an die Feier dieses besonderen Tages daher als wiederkehrende Möglichkeit zur Dankbarkeit gegenüber Gott verstanden. Gleichzeitig soll die Veranstaltung Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Hintergründe zusammenführen und ein öffentlich sichtbares Zeichen für Hoffnung, Versöhnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen.
Die Feier ist bewusst als offene Veranstaltung vor dem Lüdenscheider Rathaus im Mittelpunkt der Stadt angelegt. Musik, persönliche Zeugnisse, Grußworte aus Politik und Kirche sowie gemeinsame Gebete und Lieder prägen das Programm, das sich aus Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft zusammensetzt. Gebete und Impulse verbinden ergänzend die Erinnerung an die Vergangenheit mit aktuellen Anliegen für Frieden und Zusammenhalt.
In diesem Jahr fand die Feier für den 3. Oktober bei bestem Wetter auf dem Rathausplatz statt. Ab 15.00 Uhr erinnerte man sich an 36 Jahre Deutscher Einheit. Zeitzeuge war diesmal Jens Bretschneider, der in der ehemaligen DDR atheistisch aufgewachsen ist und dann dort zum Glauben kam. Er wurde unterstützt durch ein bewegendes Grußwort von Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sowie einem starken geistlichen Impuls von Stadtgebetsleiter Udo Fiedler. Die musikalische Gestaltung übernahmen Annika Kögler, Marcus Opderbeck, Falko Pitan und Thomas Tetzlaff. Für die Moderation war die 1. Vorsitzende der Evangelischen Allianz Irmtraut Huneke verantwortlich.
Irmtraut Huneke wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass man sich nunmehr das siebte Mal auf dem Rathausplatz trifft. In diesen Jahren entwickelte sich die Dankesfeier zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens rund um den „Tag der Deutschen Einheit“ in Lüdenscheid. Dabei ständen persönliche Berichte von Menschen im Mittelpunkt, die die Teilung Deutschlands und die Wiedervereinigung ganz persönlich in der ehemaligen DDR erlebt haben. Das Ziel dieser Berichte von Betroffenen sei, die Erinnerung an diesen wichtigen Tag als Zeugnis für Gottes Wirken lebendig zu erhalten und an der Hoffnung festzuhalten, die von dieser Feier Jahr für Jahr ausgehe.
Die Dankesfeier auf dem Lüdenscheider Rathausplatz sei daher weit mehr als eine Gedenkveranstaltung zum „Tag der Deutschen Einheit“. Sie verbände historische Erinnerung, christlichen Glauben und bürgerschaftliches Engagement. Jahr für Jahr erinnere sie daran, dass Freiheit, Frieden und Versöhnung keine Selbstverständlichkeiten sind. Gerade deshalb hätte sich die Feier zu einer allseits geschätzten Tradition entwickelt.
Jens Bretschneider, der die Wende in Görlitz erlebte und heute Lüdenscheid sein zuhause nennt, berichtete von seinem Leben in der ehemaligen DDR, wie Gott ihm dort begegnete und wie nachhaltig sein Leben dadurch verändert wurde. Er sandte einen Appell an die zahlreichen Besucher, sich heute nicht wieder spalten zu lassen, sondern den Dialog zu suchen. Zu wertvoll sei die Einheit des deutschen Volkes nach so vielen Jahren der Trennung durch Mauer und Ideologie, um dies nun an unterschiedlichen politischen Meinungen scheitern zu lassen. „Wir gehören zusammen, komme was wolle!“ war seine ernstgemeinte Aufforderung an die Umstehenden. Damit unterstützte er die Botschaften von Bürgermeister Sebastian Wagemayer und Udo Fiedler, die ebenfalls den eindringlichen Wunsch äußerten, dass man miteinander den Dialog führen möge. In großer Offenheit und Wertschätzung.
Was Jens Bretschneider zudem auszeichnet, ist seine große Liebe zum jüdischen Volk. Er richtete mahnenden Wort an die Anwesenden, in denen er ausdrücklich vor einem erneut aufflammenden weltweiten Antisemitismus warnte und darum bat, die jüdischen Mitbürger zu schützen und nicht zu gestatten, dass sie in Deutschland einmal mehr um ihr Leben fürchten müssten. Er erntete für seinen Auftritt viel Applaus und auch den einen oder anderen „Bravo“-Ruf. Wunderbar unterstützt und ergänzt wurden die jeweiligen Redner nicht nur von Irmtraut Huneke, sondern auch von Sängerin Annika Kögler, die mit ihrer grandiosen Stimme glänzte und das Gesagte mit ergänzenden geistlichen Impulsen und passenden Textinterpretationen zu den gesungenen Liedern abrundete.
Ein sehr starker Gottesdienst mit einer fühlbaren Präsenz Gottes, der wohl niemanden „kalt“ ließ. Auch nach Beendigung der Veranstaltung ging man nicht gleich auseinander, sondern redete und diskutierte noch lange über diesen denkwürdigen Einsatz auf dem Rathausplatz. Der Platz leerte sich nur zögerlich, zu intensiv war diese gemeinsam verbrachte Zeit gewesen.
Die Dankesfeier unter Leitung der Evangelischen Allianz Lüdenscheid machte ein weiteres Mal deutlich, dass der „Tag der Deutschen Einheit“ für viele Menschen auch heute noch mehr ist als lediglich ein historisches Datum. Er wird von ihnen als Anlass verstanden, innezuhalten, Gott zu danken und sich jedes Mal wieder neu für den christlichen Glauben, Frieden, Freiheit und Versöhnung einzusetzen. Was an der „Dankesfeier zum Tag der Deutschen Einheit“ besonders bemerkenswert ist, ist, dass sie nicht nur zurückschaut, sondern auch nach vorn weist. Sie erinnert jährlich an das Geschenk der Wiedervereinigung und macht gleichzeitig Mut, in einer gerade äußerst unruhigen Zeit, an Gottes Kraft und Stärke zu glauben und Hoffnung in Jesus Christus zu bewahren.
